UFC-Wettarten erklärt: Systematik aller Märkte im MMA

UFC-Kampf im Oktagon: zwei MMA-Athleten mit offenen Fingerhandschuhen in der Clinch-Position
Inhaltsverzeichnis
  1. Warum die MMA-Marktstruktur anders funktioniert
  2. Die drei Gruppen: Ergebnis-, Methode-, Dauer-Märkte
  3. Wie sich Marktvielfalt zwischen UFC, PFL, KSW unterscheidet
  4. Welche Märkte sind in Deutschland überhaupt lizenziert?

Warum die MMA-Marktstruktur anders funktioniert

Als ich vor neun Jahren das erste Mal einen UFC-Tippschein aufgerufen habe, lag die Marktliste bei knapp achtzehn Optionen. Heute sehe ich bei einem durchschnittlichen Main Card Fight zwischen vierzig und sechzig Märkte — und das ist nicht einfach Inflation, das ist strukturelle Reife. Die Frage, die mich damals wie heute interessiert hat, lautet: Wo entsteht der Wert, wenn das Angebot wächst?

MMA hat deutlich weniger Grundmärkte als Fußball. Es gibt keine Halbzeitwetten, keine Ecken, keine Torschützen. Was wir stattdessen bekommen, ist eine enorm hohe Dichte an Kombinationen aus Siegmethode und Runde. Genau diese Verzahnung erzeugt einen Markt, der oberflächlich simpel wirkt, in der Tiefe aber überraschend viele Value-Zonen hat. Ich arbeite seit Jahren mit Kämpfern und deren Coaches, und die konsequenteste Beobachtung ist: Die Anbieter preisen den Kopf eines Fights sauber — also Moneyline und das glatte Over/Under. Sobald man in die Verzweigung aus Methode mal Runde mal Punktrichter-Tendenz geht, werden die Quoten grober.

Dieser Text ist ein Katalog. Er ordnet die Märkte nach Logik, nicht nach Häufigkeit in den Werbebannern. Ich gehe jede Marktgruppe durch, erkläre die Abrechnungsmechanik, nenne typische Quotenbandbreiten und zeige, wo in Deutschland Einschränkungen greifen. Wer eine tiefergehende Einordnung zum Gesamtkontext braucht, findet sie in meinem Analyst-Leitfaden für den deutschen Markt. Alle weiteren Einzelmärkte wie Moneyline oder Method of Victory decke ich in eigenen Deep Dives ab — hier geht es um die Landkarte.

Die drei Gruppen: Ergebnis-, Methode-, Dauer-Märkte

Wenn ich neuen Tippern den MMA-Markt erkläre, zeichne ich immer drei Kreise auf ein Blatt. Ergebnis, Methode, Dauer. Alles, was dir ein deutscher Anbieter anbietet, lässt sich einer dieser Kategorien zuordnen oder ist eine Kreuzung daraus. Das klingt trivial, hilft aber sofort bei der Preisorientierung.

Der Ergebnis-Markt fragt: Wer gewinnt? Dazu gehören Moneyline, Handicap auf Runden oder Punkte, und der Draw-Markt, den viele deutsche Plattformen gar nicht explizit ausweisen, weil die Wahrscheinlichkeit bei unter einem Prozent liegt. Hier bewegt sich der größte Teil des Handelsvolumens — ich schätze aus meinen Marktbeobachtungen, dass auf Anbieter-Seite gut sechzig Prozent des MMA-Einsatzvolumens auf reine Moneyline entfällt.

Der Methoden-Markt fragt: Wie endet der Kampf? Die vier Grundpfade sind KO beziehungsweise TKO, Submission, Decision und der extrem seltene Draw. Von 551 UFC-Kämpfen 2025 endeten 32,8 Prozent per KO/TKO, 17,4 Prozent per Submission und 49,2 Prozent per Decision — das ist die Baseline, gegen die jede Methoden-Quote gemessen werden muss. Darauf aufbauend kommen Kombinationen wie Kämpfer mal Methode, Kämpfer mal Methode mal Runde, und spezifische Prop-Ableger wie KO in Runde 1.

Der Dauer-Markt fragt: Wie lange geht der Kampf? Hier findet sich Over/Under Runden in den Standardlinien 1,5 und 2,5, teilweise 4,5 bei Main Events, sowie die reine Ja/Nein-Frage, ob der Kampf die Distanz geht. Der Dauer-Markt ist der, den ich am aufmerksamsten beobachte, weil er extrem stark auf regelbasierte Veränderungen reagiert — der Wechsel zurück zum alten Handschuhmodell Ende 2024 ließ die Finish-Rate von 43,7 Prozent im Jahr 2024 auf 50,2 Prozent 2025 steigen. Fünfeinhalb Prozentpunkte sind in diesem Segment ein Erdbeben.

Die Kreuzungsprodukte sind der Grund, warum ich sage: MMA hat weniger Grundmärkte, aber mehr Kombinationsprodukte als die meisten anderen Sportarten. Ein Kämpfer-mal-Methode-Markt erzeugt bei jedem Kampf zwischen acht und zwölf Sub-Optionen. Wer das als lineares Angebot liest, sieht Chaos. Wer es als Kreuztabelle liest, sieht Preisstruktur.

Moneyline (Siegwette) als Basismarkt

Die Moneyline ist der Einstiegsmarkt — und gleichzeitig derjenige, bei dem die Anbieter am wenigsten Spielraum für Fehlbepreisung haben. In einem Hauptkampf auf einem nummerierten UFC-Event sehe ich typischerweise eine Margin zwischen 3,5 und 5 Prozent. Das ist dicht am internationalen Standard, aber in Deutschland reduziert die 5,3-Prozent-Einsatzsteuer die effektive Auszahlungsquote zusätzlich. Mehr als rund 95 Prozent Auszahlung sind kaum realisierbar.

Das Format: amerikanische Quote minus 250 bedeutet, ich muss 250 Euro setzen, um 100 zu gewinnen. Plus 170 bedeutet, ich gewinne 170 bei einem Einsatz von 100. Die meisten deutschen Anbieter zeigen standardmäßig dezimale Quoten, aber im englischsprachigen MMA-Diskurs wirst du ständig mit amerikanischen Quoten konfrontiert sein. Wer ernsthaft tippt, lernt beide Formate blind umzurechnen.

Was die Moneyline im MMA besonders macht, ist die strukturelle Upset-Häufigkeit. Die Upset-Rate in der UFC liegt bei rund 30 Prozent — fast jeder dritte Kampf geht an den weniger favorisierten Kämpfer. Diese Zahl ist der wichtigste Einzelwert, den ich jedem Neuling ans Herz lege. Wer im Fußball Dauerfavoriten tippt, hat statistisch eine Komfortzone. Wer im MMA nur Favoriten tippt, verliert langfristig Geld, wenn er nicht auch den Preis der Moneyline kritisch bewertet. Eine Minus-700-Quote auf einen Champion kostet dich implizit 87,5 Prozent Siegwahrscheinlichkeit — das ist ein Preis, der bei diesen Upset-Raten selten bezahlbar ist.

Method of Victory: KO/TKO, Submission, Decision

Als ich 2017 meinen ersten systematischen Edge gefunden habe, war es ausgerechnet ein Method-of-Victory-Markt. Ein tschechischer Grappler gegen einen Striker mit dünner Bodenabwehr — die Quote auf Submission lag bei +450, während mein eigenes Modell eine implizite Wahrscheinlichkeit von rund 28 Prozent ausspuckte. Das ist der Punkt, an dem sich der Methoden-Markt lohnt: Er bestraft grobe Bepreisung.

Method of Victory bei einem DE-Anbieter heißt typischerweise fünf Optionen pro Kämpfer plus einen Draw-Pfad. Kämpfer A per KO, Kämpfer A per Submission, Kämpfer A per Decision, das Gleiche gespiegelt für Kämpfer B, plus Unentschieden. Die Quoten verzweigen sich entlang der Baseline-Verteilung, werden aber um Matchup-spezifische Anpassungen verschoben. Bei einem reinen Striker vs. Striker Fight verschieben sich KO-Quoten nach unten, Submission-Quoten bleiben bei +900 oder höher.

Der wichtigste Punkt für Abrechnung: Eine Disqualifikation zählt bei den meisten deutschen Anbietern als TKO zugunsten des Gegners. Ein Technical Decision — wenn der Kampf wegen eines versehentlichen illegalen Schlags vorzeitig zur Punktwertung geht — gilt als Decision. Die No-Contest-Regelung führt in fast allen Methoden-Märkten zur Rückerstattung. Wer in der Detailregelung seines Anbieters nicht nachgelesen hat, erlebt irgendwann eine böse Überraschung.

Rundenmärkte: Over/Under und exakte Runde

Der erste Kampf, den ich in einem Over/Under-Markt verloren habe, war Rose Namajunas gegen Zhang Weili 2 — zwei Runden, 4:36 bis zum KO. Ich hatte Over 2,5 gespielt, lag bei einer zwei und einer halben Runde präzise daneben. Seitdem predige ich jedem, der mich fragt: Rundenmärkte kodieren nicht nur die Kampfdauer, sie kodieren auch die Pausenzeit zwischen Runden. Eine halbe Runde im UFC-Kontext bedeutet 2:30 abgelaufene Zeit in der fraglichen Runde.

Die Standardlinien: 1,5 Runden für die meisten Fight-Night-Hauptkämpfe mit drei Runden, 2,5 Runden als häufigste Linie, und 4,5 Runden bei Title Fights und Main Events über fünf Runden. Manche Anbieter bieten zusätzlich exakte Runde an — eine Marktform, die ich persönlich skeptisch sehe, weil die Margin dort häufig über 15 Prozent liegt. Der Anbieter weiß, dass Tipper die emotionale Überzeugung für exakte Vorhersagen unterschätzen.

Die Finish-Rate-Dynamik habe ich oben schon angesprochen — der Sprung von 43,7 Prozent 2024 auf 50,2 Prozent 2025 nach dem Handschuhwechsel. Diese Bewegung betrifft Over/Under-Linien disproportional. Was ich in der ersten Jahreshälfte 2025 sah, war: Anbieter passten ihre Linien nicht schnell genug an. Wer konsequent Unter 2,5 Runden auf Matchups mit zwei starken Strikern tippte, hatte sechs Monate lang strukturellen Value — bis die Pricing-Modelle nachzogen.

„Geht der Kampf die Distanz?“ als eigener Markt

Eine der einfachsten Ja/Nein-Fragen im MMA und gleichzeitig eine der lehrreichsten. Geht der Kampf die volle Distanz — also alle drei beziehungsweise fünf Runden — oder nicht?

Der Markt ist strukturell identisch mit einem Over/Under in der höchstmöglichen Rundenzahl, wird aber separat angeboten, weil die Abrechnungslogik klarer ist und weniger Grauzonen hat. Für mich ist er oft ein besserer Lackmustest als Over/Under 2,5, weil er die fundamentale Frage stellt: Ist das ein Kampf, der Punktrichter braucht, oder ist das ein Kampf, der vorher entschieden wird? Bei einem Fight Night mit 43,7 Prozent historischer Finish-Rate — wenn man die 2024er-Zahl als Referenz nimmt — ist „Ja, geht die Distanz“ die statistische Default-Antwort, aber eben nur knapp über der Hälfte.

Ich benutze diesen Markt häufig als Sanity-Check: Wenn die Quote auf „geht die Distanz“ und meine Over-Runden-Einschätzung nicht konsistent sind, habe ich irgendwo einen Fehler im Modell.

Runden-Handicap und Punkt-Handicap im MMA

Handicaps sind im MMA schwächer ausgebaut als im Fußball, aber sie existieren. Beim Runden-Handicap setzt der Anbieter eine Runden-Asymmetrie — Kämpfer A plus 1,5 Runden, Kämpfer B minus 1,5 Runden. Das heißt praktisch: B muss den Kampf vor Ende der zweiten Runde gewinnen, damit das Handicap aufgeht.

Das ist ein Markt für erfahrene Tipper. Die Logik ist nicht intuitiv, weil MMA-Fights nicht in Punkten angesammelt werden wie Fußballtore, sondern in Runden abgeschlossen werden. Ein Handicap von minus 1,5 zahlt sich nur aus, wenn der Kampf in Runde 1 oder 2 entschieden wird und der Handicap-Träger gewinnt. Bei einem Fight-Night-Hauptkampf mit fünf Runden verschiebt sich die Mathematik entsprechend. Ich habe diesen Markt lange ignoriert, bis ich festgestellt habe, dass bei klaren Heavyweight-Matchups mit hoher Finish-Rate die Handicap-Quoten deutlich besser bezahlen als die reine Kombination aus Moneyline und Under-Runden.

Punkt-Handicaps sind in Deutschland selten und werden meist nur bei Fights über die volle Distanz abgerechnet. Das schränkt den Markt erheblich ein — der Anbieter weiß, dass nur gut die Hälfte aller UFC-Fights überhaupt zur Punktwertung kommt, und preist die Ja-Wette entsprechend.

Prop Bets: Knockdowns, Takedowns, Bonus-Wetten

Prop Bets sind der Wilde Westen des MMA-Marktes. Hier zeigt sich, welcher Anbieter ein ernsthaftes Trading-Team hat und welcher nur Standardlinien übernimmt. Ich führe seit Jahren eine kleine Notiz, wann welcher deutsche Anbieter bei welchem Event welche Props auflistet — das Angebot variiert drastisch.

Typische Props: Anzahl Takedowns eines Kämpfers, Over/Under Significant Strikes, Ja/Nein ob ein Knockdown fällt, Ja/Nein ob ein Bonus — Fight of the Night oder Performance of the Night — vergeben wird. Seit 2026 verdoppelt die UFC diese Boni von 50 000 auf 100 000 USD, plus 25 000 USD für jeden KO oder Submission ohne Bonus-Auszeichnung. Das verändert Kämpferanreize deutlich, und ich erwarte, dass die Aggressivität im Stand vor allem in den unteren Gewichtsklassen zunimmt. Für Prop-Märkte auf Knockdowns und Significant Strikes ist das ein struktureller Treiber.

Khalid Ali, CEO der International Betting Integrity Association, formulierte es in einem Branchenbericht so: Our 2025 data highlights a familiar integrity risk pattern, with football and tennis continuing to account for most suspicious betting activity. Was in diesem Zitat zwischen den Zeilen steht: MMA ist nicht der Hauptschauplatz für Integrity-Alerts, aber Prop-Märkte sind genau die Zone, in der im Zweifel verdächtige Bewegungen auftauchen. Wer auf Prop-Märkten mit hohen Einsätzen unterwegs ist, sollte das im Hinterkopf behalten.

Meine Faustregel: Prop Bets sind gut für Research, schlecht für große Einsätze. Die Margin liegt hier oft bei zehn bis fünfzehn Prozent, in Extremfällen auch darüber.

Kombiwetten (Parlays) im MMA: Mechanik und Fallstricke

Ein Coach, mit dem ich 2019 in München gearbeitet habe, hat mir einen Satz mitgegeben: Parlays sind der Markt, den die Anbieter dir andrehen wollen, und der Markt, den du meiden sollst. Das ist pauschal, aber nicht falsch.

Kombiwetten im MMA multiplizieren die Margin. Wenn jeder einzelne Ausgang mit 4,5 Prozent Margin bepreist ist, hast du bei einer Vierfach-Kombi eine kombinierte Marge nahe 18 Prozent. Das ist rechnerisch der Grund, warum Parlays langfristig Geld vernichten. Gleichzeitig gibt es einen Grund, warum sie trotzdem einen festen Platz im Tippverhalten haben: Die implizite Varianz verschiebt sich so stark, dass selten kleine Einsätze in seltene große Gewinne verwandelt werden. Für Entertainment okay, für EV-getriebene Strategie nicht.

Was in Deutschland hinzukommt: Nicht alle Whitelist-Anbieter erlauben Kombiwetten über alle MMA-Märkte. Method-of-Victory-Parlays sind bei manchen Plattformen ausgeschlossen, weil das Integrity-Risiko bei Kombinationen aus mehreren Methoden-Optionen schwerer zu überwachen ist. Ich würde generell empfehlen, bei Parlays innerhalb einer Fight Card auf Moneyline zu bleiben und die exotischen Kombinationen den Einzelmärkten zu überlassen.

Ein zweiter Fallstrick: Kampfabsagen. Wenn innerhalb eines Parlays ein Kampf ausfällt — was 2025 häufiger vorkam als in den Jahren davor — wird das betroffene Leg bei den meisten Anbietern als Void gewertet und die Kombiquote entsprechend reduziert. Bei manchen Plattformen kippt dagegen die gesamte Kombi. Ein Blick in die AGB vor dem Abschluss ist hier mehr als lohnend.

Live-Wetten im MMA: Taktung und Marktbildung

Live-Wetten im MMA sind anders strukturiert als Live-Wetten im Fußball. Der Rhythmus folgt dem Fünf-Minuten-Takt der Runden und der Minuten-Pause dazwischen. Das erzeugt ein sehr spezifisches Preisverhalten: Quoten bewegen sich in den letzten 30 Sekunden einer Runde oft kaum noch, weil der Anbieter auf Kampfende in der Runde vorbereitet sein muss. In der Rundenpause bekommst du dagegen teilweise großzügige Anpassungen — das ist das Zeitfenster, in dem mathematische Edges für kurze Momente auftauchen.

Ich sehe drei Haupttypen im Live-Bereich: reine Live-Moneyline mit kontinuierlich angepasster Quote, Live-Methode — wird der Kampf jetzt per KO entschieden — und Live-Rundenmärkte, also die Frage, ob Runde X oder Y der letzten wird. Die Margin steigt im Live-Bereich deutlich, weil der Anbieter die Unsicherheit einpreist. Zwischen 8 und 12 Prozent Margin sind typisch, was bei deutschen Anbietern die Kombination mit der 5,3-Prozent-Einsatzsteuer besonders schmerzhaft macht.

Der Glücksspielsurvey des ISD Hamburg stellt fest, dass Live-Wetten mit der höchsten Rate riskanten Spielverhaltens assoziiert sind — 29,7 Prozent der Live-Wetter zeigen problematische Muster. Das ist ein Datenpunkt, den ich bei meinen eigenen Sessions in der Entscheidung für oder gegen Live-Positionen ernst nehme. Live-Wetten sind die schnellste, intensivste und emotional einnehmendste Form der Sportwette. Wer ohne klare Regel reingeht, verliert strukturell.

Wer Live-Wetten als Werkzeug in eine umfassendere Strategie einbauen will, findet das Rahmenwerk in meinem Artikel zur UFC-Wetten-Strategie.

Wie sich Marktvielfalt zwischen UFC, PFL, KSW unterscheidet

Die UFC ist in Sachen Markttiefe alles andere als ein Durchschnittswert — sie ist die Obergrenze. Bei einem UFC-Main-Card-Kampf sehe ich bei seriösen Whitelist-Anbietern in Deutschland zwischen vierzig und sechzig Märkte. Bei einer PFL-Saison-Card schrumpft das auf zwölf bis achtzehn. Bei KSW-Events oft auf acht bis zehn — Moneyline, Over/Under, Method of Victory in reduzierter Form, das war’s.

Warum? Das hat weniger mit Qualitätsunterschieden zwischen den Promotionen zu tun als mit Daten- und Liquiditätsverfügbarkeit. Die UFC liefert über offizielle Statistikpartner tägliche Fighter-Daten in einer Tiefe, die PFL und KSW nicht matchen können. Anbieter, die Prop-Märkte stellen, brauchen historische Takedown-Raten, Significant-Strikes-Averages, Knockdown-Verteilungen — diese Datenbasis ist bei UFC geliefert, bei den europäischen Promotionen muss sie nachgezogen werden. Eine vertiefte Gegenüberstellung der sechs großen Promotionen habe ich in einem eigenen Text aufbereitet.

Praktische Konsequenz für Tipper: Wer PFL oder KSW tippt, arbeitet häufig nur mit Ergebnis- und Dauer-Märkten. Das reduziert die Kombinationsvielfalt, erhöht aber die Auszahlungsquote im Vergleich zu UFC-Prop-Märkten. Bei KSW-Kämpfen sehe ich gelegentlich Moneyline-Margen unter 4 Prozent, weil die Pricing-Modelle konservativer angesetzt sind — das ist ein struktureller Edge, den man nicht übersehen sollte.

Welche Märkte sind in Deutschland überhaupt lizenziert?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht „alle“. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 und die GGL-Whitelist mit 34 lizenzierten Webseiten definieren einen Rahmen, der nicht jeder internationalen Marktform gestattet, in Deutschland angeboten zu werden.

Was unproblematisch ist: Moneyline, Method of Victory in den vier Grundpfaden, Over/Under Runden in den Standardlinien, Handicap-Märkte, der Ja/Nein-Markt auf Distanz. Diese Kernmärkte finden sich bei praktisch allen 34 Whitelist-Anbietern, sofern sie überhaupt MMA-Wetten führen. Nicht jeder Anbieter auf der Whitelist bietet UFC-Märkte — rund zwei Drittel der Whitelist-Anbieter führen regelmäßig UFC-Karten, der Rest konzentriert sich auf Fußball und klassische Ballsportarten.

Was eingeschränkt ist: Bestimmte Prop-Bets, insbesondere solche, die auf Einzelaktionen innerhalb einer Runde abzielen, sind in Deutschland nicht flächendeckend verfügbar. Der Hintergrund ist regulatorisch — die GGL betrachtet Prop-Märkte mit hoher Spielfrequenz kritisch im Hinblick auf Spielerschutz. Mikrobetting auf einzelne Schläge oder Takedowns gibt es in der deutschen Lizenzstruktur praktisch nicht. Wer solche Märkte bei einem ausländischen Anbieter findet, sollte sich bewusst sein, dass die Quelle nicht auf der deutschen Whitelist steht — mit allen Konsequenzen, die ich im Artikel zu MMA-Wetten legal in Deutschland im Detail behandle.

Was Kombiwetten angeht: Diese sind erlaubt, aber einzelne Anbieter schränken die zulässigen Kombinationen ein. Method-of-Victory-Parlays über mehrere Kämpfer gleichzeitig sind bei drei der großen Whitelist-Anbieter nicht möglich — das ist eine Mischung aus Risikomanagement und Integrity-Vorsorge.

Der Gesamteindruck: Das lizenzierte deutsche Angebot bei MMA deckt etwa 75 bis 80 Prozent der international üblichen Marktpalette ab. Der Rest ist entweder nicht verfügbar oder nur bei nicht-lizenzierten Anbietern erhältlich. Wer im legalen Rahmen bleibt, verliert zwar einen Teil der exotischen Props, gewinnt aber regulatorische Sicherheit und Zugang zu Spielerschutz-Systemen wie OASIS und LUGAS.

Welche Wettart bei UFC hat die niedrigste Margin?

Die Moneyline bei Hauptkämpfen hat typischerweise die niedrigste Margin — zwischen 3,5 und 5 Prozent bei Whitelist-Anbietern. Rundenmärkte und Method of Victory liegen meist zwischen 5 und 8 Prozent, Prop Bets zwischen 10 und 15 Prozent. Der Grund ist Liquidität: Je mehr Einsatzvolumen ein Markt zieht, desto enger kalkuliert der Anbieter.

Was bedeutet Draw als Wett-Option im MMA?

Ein Draw entsteht, wenn die drei Punktrichter zu einem Unentschieden kommen — häufig als Split Draw oder Majority Draw. Statistisch liegt die Draw-Rate in der UFC unter einem Prozent, weshalb viele deutsche Anbieter den Draw entweder nicht separat anbieten oder mit extrem hohen Quoten zwischen +2500 und +5000 versehen.

Werden Kombiwetten im MMA von allen DE-Anbietern angeboten?

Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkungen. Einige Whitelist-Anbieter schließen Kombiwetten aus Method-of-Victory-Märkten oder aus demselben Event aus. Das ist kein regulatorisches Verbot, sondern eine Risikomanagement-Entscheidung des einzelnen Anbieters. Ein Blick in die AGB vor dem Abschluss ist empfehlenswert.

Wie werden Prop Bets bei einem No Contest abgerechnet?

Bei einem No Contest — etwa wegen eines versehentlichen illegalen Schlags — werden Prop Bets bei den meisten deutschen Anbietern als Void gewertet und der Einsatz zurückerstattet. Ausnahme sind Props, deren Bedingung bereits eingetreten war, bevor der Kampf zum No Contest erklärt wurde. Ein Knockdown, der vor dem Abbruch fiel, wird in der Regel als gewonnen gewertet.

Erstellt von der Redaktion von „Sportwetten mma”.

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